Herbstsession an der Französischen Moselle – Thomas Keutmann

Herbstsession an der Französischen Moselle

Ständig piepst der Bissanzeiger und meine Montage verzieht sich mal wieder durch die Strömung oder durch Algen, die an der Oberfläche treiben. Nach zwei Tagen kommt mir erstmals der Gedanke aufzugeben. Doch wie ein Gedankenblitz ist die Lösung für das Problem so nah: Eine 0,15 Monofile Schnur aus meiner Tackle Box bringt mir in der letzten Nacht den ersehnten Erfolg

 

Vorbereitung ist alles

Endlich ist sie da, die Jahreszeit die wahrscheinlich jeder von Euch liebt: der Herbst! Die ersten Blätter lösen sich von den Bäumen und der Luftdruck sinkt langsam. Perfekte Bedingungen also, um erfolgreich zu sein. Ich fahre zu dieser Jahreszeit am liebsten Richtung Frankreich, um zum Beispiel an der französischen Moselle oder an anderen Baggerseen mein Glück zu versuchen. Nachdem ich auf meiner Arbeit über Google Earth eine recht interessante Stelle an der Moselle gefunden hatte, telefonierte ich schnell mit einem französischen Teammitglied und fragte, ob diese Stelle noch in der Nachtangelzone sei. Alles lief nach Plan und ich fuhr nach der Arbeit kurz nach Hause, um dort noch ein paar Kilos Carptrack Worm Up Boilies einzupacken.

 

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Meine Freundin bekam auch noch schnell einen Kuss und dann hieß es ab ins Wochenende. Das Radio wurde voll aufgedreht und die Kilometer verflogen wie im Schlaf. Schnell noch in Luxemburg getankt und weiter ging es, denn ich war heiß und konnte es kaum abwarten. Schon alleine auf den Weg Richtung Moselle könnte man jede 20 Kilometer anhalten, weil einfach überall Wasser ist. Hier oben kann man sich richtig austoben!

Es sah vielversprechend aus!

Nach knapp zweistündiger Autofahrt stand ich dann am Ufer der Moselle und war ziemlich gespannt, was mir das verlängerte Wochenende hier so an Fisch bringt. Geht überhaupt was oder wird es ein Blank? MHH… abwarten. Das Camp stand in Windeseile und ich machte mich mit dem iBoat 260 auf die Suche nach Spots.

 

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Schon beim ersten Blick konnte ich sehen, dass die Moselle recht verkrautet ist und mir das Kraut vielleicht zum Verhängnis werden konnte. Das Echolot zeigte mir eine recht monotone Bodenstruktur an. Außer am gegenüberliegenden Ufer, wo ich eine sehr steil abfallende Kante fand. Eins war mir klar, hier müssen mindesten zwei Ruten hin. Die anderen beiden Ruten wollte ich direkt vor und ins Kraut legen. Hinter meinem Zelt ging noch ein kleiner Seitenarm in die Moselle rein, wobei das Wasser nicht hoch genug war, dass die Fische dort reinziehen können, um zu fressen. Schade…das ist bestimmt ein Hotspot, um im Frühjahr hier gut zu fangen. Ich fuhr zwei Ruten ans gegenüberliegende Ufer und fütterte knapp zwei Kilo Boilies. Die anderen beiden Ruten verteilte ich einmal direkt ins Kraut und einmal vor die Krautkante. Es sah alles sehr vielversprechend aus, doch wie es in den meisten Fällen? Genau anders!

Doch es kam anders wie erhofft.

Schnell wurde mir klar, dass hier die Strömung stärker war als es aussah. Es kamen regelrecht im Stundentakt Felder von Algen an der Oberfläche flussabwärts getrieben und verfingen sich in meine Hauptschnur. Alle Montagen waren verzogen und keine Rute lag mehr scharf auf den Spot. Ich überlegt mir, dass ich die Ruten doch lieber ufernah fischen sollte, da hier eine kleine Schneise war, wo die Strömung nicht hinkam. Ich fischte also die erste Nacht direkt vor meinen Füßen und erhoffte mir hier den einen oder anderen Fisch abgreifen zu können, wenn er sich am Ufer aufhielt.

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Die Frage ist: Durchstehen oder gehen?

Langsam fing ich an mit dem Gedanken zu spielen, für die letzte Nacht an mein Hausgewässer zu fahren, um vielleicht dort noch einen Herbstbullen abgreifen zu können. Ein Gedanke, den ich aber schnell wieder aus meinem Kopf löschte. So leicht gebe ich nicht auf. Ich entschied mich, die letzte Nacht noch hier zu bleiben und eine Lösung zu finden, wie ich auf die andere Seite komme, ohne das mir das Kraut und die Strömung zum Verhängnis werden. Was noch dazu kam, ist dass ich morgens die Fische auf dem Platz gegenüber Rollen sehen hab. Ich muss da rüber komme – koste es, was es wolle. Ich telefonierte mit meinen zwei Teamkollegen Patrick und Selina und die beiden kamen spontan für eine Nacht vorbei, da sie sich eh gerade oben im Norden austobten. Wir diskutierten über verschiedenen Taktiken und machten es uns erst mal gemütlich. Bei einer Kleinigkeit zu essen und einem Bierle sowie Patrick gerne sagt, kam uns dann der Einfall. Ich durchstöberte meine Tackel Box und wurde fündig. War es die erlösende Taktik, die mir dann doch noch einen Fisch versprechen sollte? Ja sie war es!

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Der Weg zum Erfolg.

Eine 0,15 monofile Schnur war der Weg zum Erfolg. Klar, ich hätte viel früher drauf kommen können, doch mit solch einer Angelei war ich selbst noch nicht vertraut. Ich packte mir meine Rute und machte mich auf den Weg auf die andere Seite. Hier suchte ich mir einen Baum aus, der bis über Wasser hinaus ragte. Das Rig platzierte ich wie vorgesehen an der abfallenden Kante und fuhr auf direkten Weg zum Baum zu. Hier befestigte ich vorher mit einem Knoten die 0,15 Schnur an einem Ast. Die Schnur ließ ich extra ein bisschen länger, dass meine Hauptschnur nicht direkt ins Gestrüpp rein ging. Am anderen Ende knotete ich die Abrissleine mir einem normalen Knoten an meiner Hauptschnur und fuhr an Land zurück. Na also, es funktionierte! Meine Hauptschnur war so komplett aus dem Wasser raus und es verfing sich nix in meiner Schnur. Eine Variante, wo man eigentlich viel früher drauf kommen konnte. Jetzt stand der letzten Nacht also nix mehr im Weg. Alle Ruten lagen scharf am gegenüberliegenden Ufer.

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PIEPPPPPP… Mein Fox Ntxr meldete sich zum Dienst. YESS!! Ich sprang ab ins iBoat und fuhr auf direkten Weg Richtung Fisch. Durch den Anschlag riss an das gegenüberliegende Ufer die Reißleine ab und beide waren bereit für den Fight. Es war unglaublich, der Fisch zog seine Bahnen und ich dachte echt im ersten Augenblick, dass ich hier eine richtige Granate am anderen Ende dran habe. Doch im Vorhinein erzählte mir Patrick, dass die Fische hier sau stark kämpfen, sei es ein 10 Kilo oder ein 20 Kilo Fisch. So war es dann auch! Als sich die Maschen über den goldenen Schuppen schlossen, brach es in mir aus. Ein lauter Schrei schalte die Moselle runter. Ich wurde doch belohnt, und zwar mit einem wunderschönen golden farbigen Schuppi.

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Während der Fotosession klatschte es zwei- bis dreimal ordentlich im Hintergrund und ich dachte mir schon, dass da eventuell noch einer abläuft. Ich brachte die Rute wieder auf den Spot und fütterte den Rest meiner Boilies. Mein Bauchgefühl ließ mich mal wieder nicht im Stich.

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09:50

Es war wieder ein und dieselbe Rute, die mir den zweiten Fisch der Tour brachte. Dieses Mal wusste der Karpfen wohl genau, wo er hin muss. Ich schloss die Bremse und hielte am Ufer dem Druck stand. Nachdem ich merkte, dass der Fisch vom Hindernis weg war, sprang ich in mein iBoat und der Drill begann. Doch plötzlich wie aus dem Nichts schoss der Karpfen wie eine Rakete und unaufhaltsam direkt in das Hindernis rein und hing fest. Scheiße! Ich ließ die Schnur locker, in der Hoffnung, dass der Fisch von alleine raus kam, doch alles war vergeben. Ich nahm mir die Ruten und kurbelte so lange bei, bis ich meinen Leader am Spitzring merkte, sodass ich die Schnur vielleicht aus dem Holz fädeln konnte. Es klappte. Der Fisch war frei und ich konnte ihn danach sicher landen.

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Happy End

Fazit: Ich war kurz davor aufzugeben, doch der Wille und der Ehrgeiz haben mich dann doch noch zum Erfolg gebracht. In manchen Situationen sollte man den Kopf nicht hängen lassen, denn durch die richtige Taktik sowie Futter gelingt es eigentlich immer, einen zum Erfolg zu kommen. Ich ließ mein iBoat sowie mein anderen Sachen noch trocknen und machte mich dann auf den Weg nach Hause. Eins stand fest! Beim nächsten Mal wird der Trip noch genauer geplant, sodass ich nicht mehr in solch eine Situation komme.

 

Thomas Keutmann

 

 

 

 

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